Aloisia Wagner, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Rosa Violetta, wurde 1907 in Bremen mit dem seltenen Tetramelie-Syndrom geboren – ihr fehlten vollständig Arme und Beine. Trotz der schweren Diagnose wuchs das Mädchen erstaunlich lebensfroh und selbstständig auf: Ihre Eltern brachten ihr von Kindheit an bei, alles Mögliche ohne fremde Hilfe zu tun.

Als Teenager begann Aloisia, in Zirkussen aufzutreten. Sie beeindruckte das Publikum damit, wie geschickt sie alltägliche Verrichtungen bewältigte: Sie bewegte sich hüpfend fort, zündete sich Zigaretten an, malte, nähte, wusch sich und zeigte eine unglaubliche Beweglichkeit.

Ihre natürliche Schönheit, ihr Witz und ihre starke Stimme machten Rosa Violetta zu einem echten Star. Ihr Bruder wurde ihr Manager, mit dem sie später in die USA auswanderte.
Aber der entscheidende Moment in ihrem Leben war die Begegnung mit einem Mann, der in ihr nicht nur eine „Kuriosität” auf der Bühne sah, sondern eine mutige, schöne und unglaublich feminine Frau. Er verliebte sich in Rosa Violetta, ohne auf ihre Besonderheiten zu achten.

Ihre Ehe war der Beweis dafür, dass wahre Liebe keine körperlichen Einschränkungen kennt. Das einzige Detail, das an ihre Diagnose erinnerte, war ihr Ehering: Da sie ihn nicht am Finger tragen konnte, trug sie ihn um den Hals – als besonderes Symbol ihrer Verbindung.

Nach der Hochzeit zog sich Aloisia von der Bühne zurück und verschwand aus dem öffentlichen Leben. Es wird angenommen, dass sie in ihre Heimatstadt Bremen zurückkehrte und 1973 starb, aber es gibt keine genauen Informationen – ebenso wenig wie über ihren Begräbnisort. Dennoch lebt die Erinnerung an Rosa Violette dank ihres ungewöhnlichen Schicksals und ihrer bewegenden Liebesgeschichte, die alle Hindernisse überwunden hat, weiter.