Zunächst klang es wie ein ungewöhnliches, aber harmloses Experiment. Ein Team von Ingenieuren wurde in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden damit beauftragt, zu untersuchen, wie sich große Mengen an Mineralablagerungen auf einen kleinen, abgelegenen See auswirken könnten. Sie brachten Lastwagen mit und kippten über mehrere Tage hinweg 50 Tonnen Industriesalz direkt ins Wasser.
Die Einheimischen waren skeptisch. „Das wird die Fische töten“, murmelten einige. Andere schenkten dem Ganzen keine Beachtung. „Es ist nur Salz“, sagten sie. „Der See wird es aufnehmen.“ Eine Zeit lang schien alles normal zu sein.
Doch dann begannen die Veränderungen.
Innerhalb von zwei Wochen sah das Wasser nicht mehr wie zuvor aus. Die klare blaue Oberfläche nahm eine blasse, milchige Farbe an, fast wie mit Frost überzogenes Glas. Fische, die einst in Ufernähe schwammen, verschwanden. Vögel, die zum Trinken landeten, flogen schnell und unruhig davon.
In der dritten Woche hatte sich der See vollständig verwandelt. Das Wasser verdickte sich, bewegte sich träge, und seltsame Kristallformationen begannen an den Rändern zu entstehen und wurden von Tag zu Tag höher. Sie glitzerten in der Sonne wie gezackte Türme, scharf und unnatürlich.
Als die Ingenieure zurückkehrten, um Proben zu nehmen, waren sie verwirrt. Das Wasser verhielt sich überhaupt nicht mehr wie Wasser. Es haftete schwer und gelatinös an ihren Instrumenten und wollte nicht verdunsten. Noch seltsamer war, dass der See, wenn sie nachts Licht hineinstrahlten, mit einem unheimlichen Leuchten zurückstrahlte, als wäre er lebendig.
Die Nachricht verbreitete sich schnell. Neugierige Schaulustige strömten zum See, einige wagten es sogar, das Wasser zu berühren. Diejenigen, die dies taten, beschrieben ein kribbelndes Gefühl, als würden winzige Vibrationen durch ihre Haut laufen. Ein Mann behauptete, er habe ein leises Summen gehört, als er sich über die Oberfläche beugte, wie Hunderte von Stimmen direkt darunter.
Die Ingenieure brachen die Untersuchung sofort ab und sperrten das Gelände ab. In ihren offiziellen Berichten sprachen sie von einer „unerwarteten chemischen Reaktion”, aber hinter verschlossenen Türen konnte sich niemand auf eine Erklärung einigen.
Denn was auch immer aus diesem See geworden war – es war nicht mehr nur Wasser, das mit Salz vermischt war. Es war etwas ganz anderes, etwas, das die Ingenieure selbst nicht benennen wollten.
Und selbst heute noch, nachts, sagen die Einheimischen, leuchtet der See schwach im Mondlicht und flüstert leise jedem zu, der es wagt, ihm zu nahe zu kommen.
