Marina war immer „das Mädchen mit Kurven“. Von klein auf — sanft, gutmütig, rundliches Gesicht, Grübchen auf den Wangen und ansteckendes Lachen. In der Schule wurde sie geneckt, doch sie nahm es nie übel. „Dafür koche ich lecker“, — antwortete sie mit einem Lächeln.
Als sie Igor kennenlernte, schien ihr, das Schicksal habe ihr das Ideal geschenkt: groß, sportlich, mit selbstsicherem Blick. Beim ersten Date sagte er:
— Weißt du, du bist so echt. Mit dir ist es gemütlich.
Diese Worte wärmten die Seele. Marina verliebte sich. Schnell, aufrichtig, wie es nur Frauen können, die an das Gute glauben.
Nach der Hochzeit wurde Igor anders. Zuerst — unmerklich.
— Mein Brötchen! — sagte er und umarmte sie.
Und dann fügte er hinzu:
— Hauptsache — nicht zum Laib werden.
Sie lachte, obwohl es in der Brust stach.
Er blieb länger bei der Arbeit, begann vor Freunden zu witzeln:
— Meine Frau kocht so lecker, dass ich nicht mehr ins Fitnessstudio gehe — ich schaffe es nicht zwischen Borschtsch und Torte.
Alle lachten. Nur Marina nicht.
Sie probierte alles: Diäten, Fitness, sogar Fasten. Ein wenig Gewicht ging runter, aber Igor fand trotzdem einen Grund, zu sticheln.
— Du solltest abnehmen, mir tut der Rücken weh, wenn ich dich umarme.
Sie versuchte zu reden:
— Igor, es tut mir weh, wenn du so scherzt.
Er winkte ab:
— Nimm’s nicht übel, ich scherze doch!
Und eines Tages, als der Tag besonders schwer gewesen war und zu Hause ein leerer Kühlschrank und Müdigkeit warteten, trat sie aus dem Büro und hörte plötzlich:
— Marina?
Sie drehte sich um — und traute ihren Augen nicht. Vor ihr stand Andrej, ihr Mitschüler.
Früher in der Schule war er ruhig, unsicher, trug Brille und half ihr immer in Algebra. Jetzt — groß, selbstsicher, mit einer leichten grauen Strähne, die ihm stand.
— Andrej? Das gibt’s doch nicht! — lachte sie.
— So eine Begegnung! — antwortete er. — Du hast dich überhaupt nicht verändert. Gehen wir essen, erinnern wir uns an die Schulzeit?
Marina zögerte:
— Also, ich bin verheiratet…
— Ich meine keine Romanze, — lächelte er. — Nur reden.
Sie stimmte zu. Und zum ersten Mal seit Langem spürte sie, wie schön es ist, wenn man dir zuhört. Einfach zuhört.
Sie saßen in einem kleinen italienischen Café. Andrej erzählte, wie er in eine andere Stadt gezogen war, als Ingenieur arbeitete, heiratete, sich scheiden ließ.
— Weißt du, ich erinnerte mich daran, wie du in der Schule ein Mädchen verteidigt hast, über das man gelacht hat. Damals dachte ich, du bist die Mutigste.
Marina wurde verlegen.
Er sah sie warm an — ohne zu beurteilen, ohne zu kritteln. Einfach mit Interesse und Zärtlichkeit, die sie lange nicht gespürt hatte.
In einem Moment sagte er leise:
— Weißt du, mir haben immer Frauen gefallen, in deren Augen Leben ist. Wirkliches. Nicht aus der Zeitschrift, sondern aus dem Herzen.
Marina schwieg, und nur spürte sie, wie innen etwas auftaute.
Spät kam sie nach Hause. Igor war schon da, saß vor dem Fernseher.
— Wo warst du unterwegs? — brummte er.
— Ich habe einen alten Freund getroffen, — antwortete sie ruhig.
Er verzog das Gesicht:
— Wieder irgendwo gegessen, ja?
Marina antwortete nicht. Sie lächelte nur und ging ins Bad.
Am nächsten Tag, als Igor in ihrem Telefon blätterte, stieß er auf ein Foto: Marina im Restaurant, lacht, die Augen glänzen, und gegenüber — ein Mann mit einem Glas Wein.
Er erbleichte.
— Was ist das für ein Typ?
Marina drehte sich um, ruhig, fast mit Bedauern.
— Das ist ein Mensch, der nicht über mich lacht.
Igor versuchte zu witzeln:
— Aha, einen Verehrer gefunden, ja? Mag wohl die Moppeligen?
Doch seine Stimme zitterte. Zum ersten Mal bemerkte er, wie sich seine Frau verändert hatte: in den Augen — Selbstvertrauen, die Haltung — aufrecht.
Am Abend packte Marina ihre Sachen. Ohne Hysterie.
— Was, du gehst? —
— Ja. Ich bin müde, ständig beweisen zu müssen, dass ich Respekt verdiene.
Er schwieg.
Zwei Monate vergingen.
Marina mietete eine Wohnung, fing in einer neuen Firma an. Abgenommen? Nein. Aber sie lernte, ohne Angst zu lächeln.
Eines Abends kam eine Nachricht von Andrej:
„Ich komme geschäftlich in die Stadt. Abendessen um sieben. Ich hoffe, du überlegst es dir nicht anders.“
Sie sah in den Spiegel, strich sich die Haare zurecht und dachte zum ersten Mal seit Langem:
„Und das Leben fängt gerade erst an.“
