Es war ein glühend heißer Julitag.
Die Luft stand schwer, als wäre sie geschmolzen.
Der Asphalt glänzte in der Hitze, die Blätter der Bäume bewegten sich nicht, und die Stadt schien verbrannt.
Vor einem kleinen Café an der Straßenecke blieb eine Frau stehen.
Dünn, gebeugt, in einem abgetragenen Kleid und alten Turnschuhen.
Ihr Gesicht war müde, aber ihre Augen lebendig.
Ihr Name war Anna Morrison. Früher hatte sie an einer Schule unterrichtet, doch dann war ihr Leben aus den Fugen geraten: Der Ehemann starb bei einem Unfall, der Sohn kam in eine Klinik, und das Haus musste verkauft werden.
Nun lebte sie auf der Straße, schlief in einem Obdachlosenheim und versuchte, nicht aufzufallen.
Aber an diesem Tag war die Sonne unerträglich.
Sie ging an dem Café mit dem leuchtenden Schild vorbei und blieb stehen — der Hals trocken, die Kehle brannte.
Der Duft von Kaffee und frischem Gebäck wehte von innen hinaus, und die kühle Luft der Klimaanlage war selbst draußen spürbar.
Anna trat auf die Terrasse und sagte leise zu der jungen Frau an der Tür:
— Entschuldigen Sie… dürfte ich bitte ein Glas Wasser haben?
Hinter der Theke stand Kate Wilson, fünfundzwanzig Jahre alt.
Blondes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden, die Schürze makellos gebügelt, Lippen sorgfältig geschminkt.
Sie musterte Anna von Kopf bis Fuß, und in ihrem Mundwinkel zuckte ein verächtliches Lächeln.
— Wasser? — wiederholte sie. — Wir sind kein kostenloses Suppenküchen-Café.
— Bitte, — sagte Anna. — Ich laufe schon seit zwei Stunden, nur ein bisschen Wasser…
Kate seufzte und sagte laut, damit es alle hören konnten:
— Gehen Sie. Wir haben Gäste. Sie verderben ihnen den Appetit.
Mehrere Leute auf der Terrasse drehten sich um.
Jemand kicherte.
Anna senkte leicht den Kopf, ihre Lippen zitterten.
— Ich bitte nicht um Geld, — sagte sie leise.
— Umso mehr Grund zu gehen, — schnitt Kate sie ab.
Anna drehte sich wortlos um und ging.
Der Schatten des Sonnenschirms glitt über ihren Rücken, und die Sonne traf wieder ihr Gesicht.
Sie weinte nicht — sie trat einfach hinaus auf die staubige Straße, wo die Autos dröhnten, und verschwand um die Ecke.
Eine Woche später.
Im Café war es laut; die Hitze hielt an, und die Klimaanlagen kämpften vergeblich.
Kate stand an der Theke, als plötzlich jemand den Fernseher lauter stellte.
„Eilmeldung“, sagte der Sprecher.
Auf dem Bildschirm: ein ausgebranntes Gebäude, Rauch, Menschen in Panik.
Die Stimme aus dem Off:
„Gestern Abend rettete eine obdachlose Frau einen Jungen aus einer brennenden Wohnung. Die Frau starb am Ort des Geschehens. Augenzeugen zufolge stürzte sie sich ohne Zögern in die Flammen.“
Kate erstarrte.
Auf dem Bildschirm erschien ein Foto.
Das Gesicht war vertraut.
Dieselben Augen. Dieselbe gebeugte Haltung.
Anna.
— Mein Gott… — flüsterte Kate, während sie ihre Schürze umklammerte.
Jemand am Nebentisch sagte:
— Das ist doch die, die du letzte Woche rausgeschickt hast.
In ihrer Brust drehte sich alles um.
Sie erinnerte sich an ihre Stimme, an das leise „Bitte“ und daran, wie leicht sie damals die Tür hinter ihr geschlossen hatte.
Einen Tag später ging ein Video durchs Internet: Kate kniete vor einer Kamera, weinte und bat mit zitternder Stimme um Verzeihung.
— Ich habe sie wegen eines Glases Wasser hinausgeworfen. Und sie hat ein Kind gerettet.
Dasselbe Kind — den Sohn der Cafébesitzerin.
Nun hing an der Theke, wo einst Kate stand, ein Schild:
„Wasser – kostenlos für alle. Zum Gedenken an Anna Morrison.“
