Sie fand eine alte Kamera auf einem Flohmarkt – aber die Fotos darin zeigten etwas Unmögliches

Emily hatte Flohmärkte schon immer geliebt. Manche Leute suchten nach Schnäppchen, andere nach Sammlerstücken, aber für sie ging es um Geschichten. Jeder Gegenstand, jeder angeschlagene Teller oder jedes verrostete Schild hatte eine Vergangenheit. Sie stellte sich gerne vor, wer ihn berührt hatte, wem er gehört hatte und warum er hier gelandet war.

An einem strahlenden Samstagmorgen schlenderte sie durch Reihen von Tischen, auf denen Glasgefäße, abgenutzte Bücher und alte Möbel stapelten. Sie wollte gerade gehen, als ihr etwas ins Auge fiel: eine alte Kamera, die auf einem Ecktisch stand.

Es war eine klobige, altmodische Filmkamera, deren schwarzes Leder rissig war und deren Messingecken vom Alter stumpf geworden waren. Der Trageriemen war ausgefranst, als hätte er seinen Besitzer überallhin begleitet.

„Wie viel kostet sie?“, fragte sie den Mann hinter dem Tisch.
„Zehn Dollar“, sagte er mit einem Achselzucken. „Kommt aus einem Nachlassverkauf. Keine Ahnung, ob sie noch funktioniert.“

Emily war keine Fotografin, aber irgendetwas an dieser Kamera ließ sie innehalten. Vielleicht war es die Art, wie sie wirkte … erwartungsvoll, als würde sie auf sie warten. Sie gab ihm das Geld und nahm sie mit nach Hause, weil sie dachte, dass sie eine hübsche Dekoration für ihr Wohnzimmerregal sein würde.

Zunächst war sie auch nur das: ein Gesprächsstoff. Freunde bewunderten sie und fragten, ob sie vorhabe, sie zu benutzen. Sie lachte und schüttelte den Kopf.

Aber eines Abends, als sie sie in den Händen drehte, bemerkte sie etwas Ungewöhnliches. Die Rückseite war nicht leer. Darin befand sich noch eine Filmrolle.

Ihre Neugierde war geweckt. Sie hatte sich noch nie mit Analogfotografie beschäftigt, aber sie wusste, dass es in der Stadt einen Ort gab, an dem noch alte Filmrollen entwickelt wurden. Am nächsten Morgen brachte sie ihn dorthin, wobei der Angestellte sie warnte: „Wenn er schon seit Jahrzehnten darin ist, machen Sie sich keine allzu großen Hoffnungen.“

Eine Woche später kam sie zurück, um die Abzüge abzuholen.

Sie riss den Umschlag in ihrem Auto auf und erwartete verschwommene Aufnahmen oder beschädigte Negative. Stattdessen fand sie klare, scharfe Fotos – erstaunlich gut erhalten.

Die ersten paar waren ganz normal: ein Familienpicknick, das wie aus den 1970er Jahren aussah, ein Kind, das Geburtstagskerzen ausblies, ein Hund, der im Garten herumtollte.

Aber dann blätterte Emily zum vierten Foto und ihre Hände wurden kalt.

Es war ein Haus. Ihr Haus.
Das schräge Dach, die schiefen Fensterläden, sogar die unebenen Stufen, die zur Veranda führten – es war unverkennbar. Sie drehte es um. Auf der Rückseite stand ein Datum, geschrieben mit blauer Tinte: 1985.

Ihr stockte der Atem. 1985 war sie noch nicht einmal geboren. Und doch war da ihr Zuhause, genau so, wie es jetzt aussah.

Sie redete sich ein, dass es ein Zufall sei. Vielleicht sah es nur wie ihr Haus aus. Aber das nächste Foto beseitigte alle Zweifel.

Es zeigte eine Frau, die im Vorgarten stand und lächelte.

Und sie sah genauso aus wie Emily.
Nicht ähnlich. Nicht eine vage Ähnlichkeit. Die gleichen Grübchen, die gleiche Nase, sogar die gleiche schwache Narbe über ihrer Augenbraue, die sie sich als Kind bei einem Sturz zugezogen hatte.

Emilys Puls hämmerte in ihren Ohren. Sie blätterte durch die restlichen Bilder, und mit jedem Bild verkrampfte sich ihr Magen mehr.
Ein Wohnzimmer – ihr Wohnzimmer. Eine Küche – ihre Küche. Ein Schlafzimmer – ihr Schlafzimmer. Die Aufnahmen waren alle aus seltsamen Blickwinkeln gemacht, als hätte jemand heimlich zugesehen.

Und dann kam sie zum letzten Foto.

Ihr stockte der Atem.

Es zeigte sie selbst – wie sie auf ihrer Couch saß und Kaffee trank.

Aber das Datum auf der Rückseite war letzte Woche.
Emily saß wie erstarrt in ihrem Auto, die Fotos stapelten sich zitternd in ihren Händen. Das war unmöglich. Der Film musste Jahrzehnte alt sein. Wie konnte er ein Bild von ihr von vor wenigen Tagen enthalten?

Sie fuhr wie im Autopilot nach Hause und überprüfte jede Ecke ihres Hauses, als sie ankam. Jedes Fenster. Jedes Schloss. Nichts war verändert. Dennoch konnte sie das Gefühl nicht abschütteln, beobachtet zu werden.

Verzweifelt kehrte sie am nächsten Wochenende zum Flohmarkt zurück, entschlossen, den Verkäufer zu finden. Aber der Tisch war verschwunden. Niemand erinnerte sich, ihn gesehen zu haben.

Als sie sich umhörte, runzelte eine ältere Verkäuferin die Stirn. „Diese Kamera? Ja, die habe ich schon einmal gesehen. Sie taucht alle paar Jahre bei einem anderen Verkäufer auf. Die Leute kaufen sie. Dann bringen sie sie zurück.“

„Warum?“, fragte Emily mit kaum mehr als einem Flüstern.

Der Gesichtsausdruck der Frau verhärtete sich. „Weil sie nicht aufhört, Fotos zu machen.“
Emily bewahrt die Kamera jetzt in einer Kiste auf, die sie tief in ihrem Schrank versteckt hat. Seit diesem Tag hat sie sie nicht mehr angerührt.

Aber manchmal, wenn sie auf ihr Handy schaut, findet sie neue Fotos in ihrer Galerie.
Keine Selfies. Keine Screenshots.

Bilder von ihr, wie sie schläft.

Und im Spiegelbild des Glasfensters hinter ihr – wenn sie es wagt, genau hinzuschauen – könnte sie schwören, dass sie einen Schatten sieht, der eine Kamera hält.

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